Texte

Das minoritäre Modell 1

Meine Kolumne Stimmlage (Zeitschrift Stimme) in der Ausgabe Winter 2025, Nr. 137 kann nun auch online gelesen werden: „Das minoritäre Modell 1“ (PDF) ist der erste Teil einiger Überlegungen zu einer Perspektive auf die Gesellschaft, die sich von zwei „großen Erzählungen“ (Lyotard) unterscheidet. Der zweite Teil wird in der nächsten Ausgabe der Stimme erscheinen. Der Beitrag ist wie immer ebenso auf IM BLOG, dem Blog der Initiative Minderheiten, zu lesen: Das minoritäre Modell 1.

Zwischen diesen beiden „großen Erzählungen“, der zweigeteilten Gesellschaft und der Gesellschaft als organisch-funktionalem Ganzen, liegt ein Modell, das ich als minoritär bezeichnen will. Eine solche Perspektive auf die Gesellschaft erblickt darin weder eine organische Einheit noch einen unversöhnlichen Gegensatz zweier Kontrahenten. Es sind vielmehr Verhältnisse von Macht, die einerseits stets ihre Position wechseln, andererseits ihre Proponenten.

Şişedeki Mesaj – Köşe Yazıları

2004 ile 2021 arasında çıkan üç dergiye yazdığım Türkçe köşe yazılarından bir seçkiyi, Şişedeki Mesaj başlığı altında e-kitap olarak (pdf formatında) burada paylaşıyorum. Önsözden:

Peş peşe oluşan bu üç dergiye de düzenli biçimde köşe yazıları verdim. Türkiye’nin gündemine, Türkiye kökenli insanların buradaki hayatına, siyasalı belirleyen bazı kavram, teori veya düşünceye yönelik yazılar.

Geçenlerde arşivimi düzenlerken, bu Türkçe köşe yazılarım çarptı gözüme. Zaten gurbet koşullarında okuyucusuna ulaşıp ulaşmayacağını bilemediğim bu “şişedeki mesajların”, sanki hiç yazılmamışlar gibi yok olup gitmelerine gönlüm elvermedi. Dolayısıyla onların aşağı yukarı üçte ikisinden oluşan ve bugün de okunabileceğini umduğum bir seçkiyi, dijital kitap formatında yayımlamaya karar verdim.

Seçki, okumayı kolaylaştırmak hedefiyle tersten başlıyor, günümüze daha yakın sorulara cevap arayan son dönem yazılarıyla. Geçmiş gündemlere anında müdahale amacıyla yazılmış da olsalar, seçtiğim köşe yazılarının bugün hâlâ geçerliliğini koruyan bazı temel siyasal ve kültürel sorunları konu ettiğini düşünüyorum. Bir yandan da yakın tarihimizin bir tanığı bu kitap.

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Füße am Mittelmeer

Meine Kolumne Stimmlage (Zeitschrift Stimme) in der Ausgabe Herbst 2025, Nr. 136 kann nun auch online gelesen werden: „Füße am Mittelmeer“ (PDF). Ebenso auf IM BLOG, dem Blog der Initiative Minderheiten: Füße am Mittelmeer. Ich habe mich in der Kolumne diesmal mit dem Thema „Social Media als Heterotopie“ befasst.

Der Philosoph Michel Foucault hat den (ursprünglich medizinischen) Terminus „Heterotopie“ geprägt – zuerst in seinem Buch Die Ordnung der Dinge, das mit dem Zitat einer eigenwilligen Klassifikation von Tieren beginnt: Da stehen Tiere, „die sich wie Tolle gebärden“, neben Tieren, „die mit einem ganz feinen Pinsel aus Kamelhaar gezeichnet sind“.  Der Philosoph fragt: „Wo könnten sie nebeneinandertreten, außer in der Ortlosigkeit der Sprache?“

Über Heterotopie (Foucault hat übrigens deren Bedeutung später ziemlich modifiziert) wurde einiges geschrieben. Ich will diesen „Gegen-Ort“-Begriff nicht weiter thematisieren, sondern mir nur die Frage Foucaults ausborgen: Wo könnten diese verschiedenen Bilder, Themen, Aussage-Kategorien, Musikstücke, sprachlichen, räumlichen oder zeitlichen Bezüge nebeneinandertreten – außer in den Social Media?

Leid und Mitleid

Meine Kolumne Stimmlage (Zeitschrift Stimme) in der Ausgabe Sommer 2025, Nr. 135 kann nun auch online gelesen werden: „Leid und Mitleid“ (PDF). Ebenso auf IM BLOG, dem Blog der Initiative Minderheiten: Leid und Mitleid.

Die wohl etwas naive Sinnfrage also, die sich dieser Tage aus der Verdichtung von Gewaltbildern (jedenfalls für mich) ergibt, lautet: Wieso können wir Menschen trotz unserer kulturellen Hervorbringungen, unserer ethischen Standards und angesichts der schlimmsten Erfahrungen jüngerer Geschichte anderen Menschen noch immer solch unermessliches Leid zufügen?

(Zeit-)Historische Beispiele reichen von Sklaverei und kolonialistischen Gräueltaten über Shoah bis hin zu Folterkammern in Diktaturen und zeigen uns vor allem, dass es systematische Gewalt von Menschen an Menschen gibt – trotz aller zivilisatorischen Fortschritte. Über die Gründe und das Wie dieser ungebrochenen Gewalt geben sie uns indes kaum Auskunft. Ebenso wenig über das Gegengift: Erziehung? Strengere Gesetze? Stärkeres Eingreifen von internationalen Kräften?

Dimensionen des gegenwärtigen Umbruchs

Meine Kolumne Stimmlage (Zeitschrift Stimme) in der Ausgabe Frühling 2025, Nr. 134 ist erschienen und hat den Titel: Dimensionen des gegenwärtigen Umbruchs. Der Text kann online gelesen werden auf IM BLOG, dem Blog der Initiative Minderheiten: https://www.imblog.at/dimensionen-des-gegenwaertigen-umbruchs/

Die Welt scheint, politisch betrachtet, kopfzustehen. Der Rechtsruck in Europa, die Machtübernahme des Trumpismus in den USA, der weltweite Siegeszug des Autoritarismus, Kriege in geographischer oder emotionaler Nähe, fortgeführter Abbau des Sozialstaates, und all das angesichts der anhaltenden Klimakrise! Es geschieht da etwas Tiefreichendes und Nachhaltiges. Wir können uns indes nicht einmal auf den Begriff für die Lage einigen: Wende? Polykrise? Stadium des Kapitalismus? Ende des Anthropozän? Ein Umbruch ist es allemal.

Die meisten Erklärungsansätze fokussieren auf nur einen Aspekt und vernachlässigen weitere Ebenen dieser komplexen Veränderungen. Der Umbruch findet meines Erachtens in vier Dimensionen statt, aus denen jeweils eine Perspektive für seine Analyse abgeleitet werden kann.

Zwei Texte in der Stimme Nr. 132, Herbst 2024

Meine Kolumne Stimmlage (Zeitschrift Stimme) in der Ausgabe Herbst 2024, Nr. 132 ist nun auch online: Doppelbindung und Doppelstandard (PDF). Auch zu lesen auf IM BLOG, dem Blog der Initiative Minderheiten: https://www.imblog.at/doppelbindung-und-doppelstandard/

In den letzten Jahren ist das Problem akut geworden: Wenn Migrant*innen aus dem Nahen Osten oder der Türkei offen antisemitische Aussagen von sich geben, wenn bei Femiziden ein Großteil der Täter den sogenannten Migrationshintergrund hat, wenn Terroranschläge gegen die Bevölkerung vor allem islamistisch motiviert sind – was tun? In polarisierenden öffentlichen Debatten zu diesen Fällen gerate ich fast automatisch in eine Zwickmühle, die an den Double-bind-Effekt erinnert.

In derselben Ausgabe der Zeitschrift Stimme erschien auch mein Artikel Die Geschichte als Döner und Ausblendung (PDF), in dem ich den Umgang mit der Erinnerung an die Geschichte der „Gastarbeiter“-Arbeitsmigration nach Österreich (und Deutschland) hinterfrage.

Den US-amerikanischen Rassismus verurteilen und die dortigen Verhältnisse in die hiesigen ohne Übersetzung zu übertragen, kurzum: via Sprache einen imaginären Mikrokosmos der USA zusammenzimmern, um die historisch gewachsenen, realen rassistischen Verhältnisse, den „Rassismus gegen Gastarbeiter“, auszublenden? Ich würde dies niemandem als bewusste Tat vorwerfen, dem hiesigen kulturellen Gedächtnis aber als sein Unbewusstes durchweg unterstellen.

Die Stimme kann im Übrigen als Printzeitschrift abonniert werden. Hier die Informationen: https://stimme.minderheiten.at/wordpress/index.php/abo

Wahlen, Repräsentation, Demokratie

Ich habe für die aktuelle Nummer (Frühjahr/Sommer 2024) von „Die Österreichischen Volkshochschule – Magazin für Erwachsenenbildung“ (Schwerpunkt: Demokratiebildung) einen Beitrag mit dem Titel „Wahlen, Repräsentation, Demokratie“ verfasst.

Welche Prozeduren können über die Wahlen hinaus demokratische Mitbestimmung stärken? Muss das Wahlrecht nach wie vor an die Staatsangehörigkeit gebunden bleiben, oder sollte nicht etwa eine Wohnbürgerschaft ausreichen, um wählen zu dürfen? Würden die bessere Repräsentation möglichst vieler Bevölkerungsgruppen und die Steigerung der Wahlbeteiligung von ohnehin Wahlberechtigten die Legitimitätskrise überwinden helfen? Kann das systemische demokratische Paradoxon überhaupt mit solchen Maßnahmen aufgehoben werden?

Diese demokratiepolitisch wesentlichen Fragen beschäftigen nicht nur die Politische Theorie. Als aktuelle Probleme sind sie auch an die politische Erwachsenenbildung gerichtet, die eine wichtige Säule für die deliberative Demokratie darstellt.

Die Suche nach Zeichen

Meine Kolumne Stimmlage (Zeitschrift Stimme) in der Ausgabe Frühling 2024, Nr. 130 kann nun auch online gelesen werden: „Die Suche nach Zeichen“ (PDF). Ebenso auf IM BLOG, dem Blog der Initiative Minderheiten: Die Suche nach Zeichen.

Wenn liberale Kritiker*innen „Das ist die Sprache der Nazis!“ aufschreien, müssen sie in nicht seltenen Fällen mit der Antwort rechnen: „Na und?“ Vielen Wähler*innen macht das wirklich nichts aus. Und zwar nicht, weil sie selbst etwas für das NS-Regime übrighätten, sondern weil dieses für sie Schnee von gestern ist. Die FPÖ gewinnt nicht wegen des signalhaften Gebrauchs von NS-Vokabular. Sie gewinnt, weil sie dieses Vokabular auf eine aktuelle Lage mit neuen Zielscheiben ummünzen kann.

Paradoxe Polarisierung

Im Zusammenhang mit der Vortragsreihe 2023 der ÖGPB, die ich mitkonzipiert und -organisert habe, verfasste ich einen Text für science.orf.at mit dem Titel Paradoxe Polarisierung: Evidenzglaube vs. postfaktische Kritik, der im November 2023 veröffentlicht wurde.

Die neue Verwerfung birgt eine zweifache Gefahr in sich. Erstens die Ausblendung sozialer Gegensätze: Das Gefälle zwischen Arm und Reich, Herrschenden und Subalternen, Nord und Süd oder in Gender-Verhältnissen wurde binnen einiger Monate durch eine Polarisierung überlagert. Jetzt gibt es nur mehr zwei Fronten: Schwurbler*innen oder Vernünftige. Zweitens: Argumente versagen, niemand scheint dem „Feind“ – denen, die auf der „anderen Seite“ stehen – zuhören zu wollen. Der deliberativ-demokratische Rahmen öffentlicher Diskussionen droht zu zerspringen.

Minoritäre Allianz – Stimme # 128

In meinem Beitrag in der Zeitschrift STIMME Nr. 128 habe ich versucht, das Konzept der „minoritären Allianz“ historisch in seinem Entstehungskontext und zugleich als systematisch begründete Strategie zu erörtern: Minoritäre Allianz. Geschichte eines politischen Konzepts.

Allianz kann vieles bedeuten und auf vielen Motiven fußen – etwa: Solidarität; strategisches Bündeln der eng bemessenen Kräfte; der Wunsch, sich nicht spalten zu lassen und Feststellung von Gemeinsamkeiten; aber auch: Bewusstsein vom gemeinsamen Gegner … Die Idee der minoritären Allianz wird von alledem ein wenig mitgetragen. Es gibt aber auch eine Art strukturelle Mengenlehre, die für mich das wichtigste Argument für dieses Konzept ausmacht.